Krankenhausbeobachtungen

Während meiner Zeit in der Klinik hatte ich viel Zeit mir alles was hier so läuft etwas genauer anzusehen.
In der Klink, die für die Korrektur diverser Problemchen unterhalb der Gürtellinie ausgelegt ist, trafen Transfrauen auf Transmänner. Außerdem ein paar ältere Herren, die so ihre Probleme beim Wasserlassen hatten.

Ich möchte hier mal auf die Transmänner eingehen. Diese waren immer recht leicht zu erkennen. Sie tragen zwar Koteletten und Bart aber eines verriet sie immer: Sie haben alle an einem Unterarm einen sehr fest sitzenden Verband. Dort wurde ein größeres Stück Haut entnommen, das später für den Genitalbereich benutzt wird.

Aber selbst ohne Verband waren die Transmänner leicht auszumachen. Sie verhielten sich durch die Bank wie Männer, die einem Kinofilm entsprungen waren. Rüpel oder Flegelhaft legten sie die Beine auf Tisch und Stühle oder verhielten sich überzogen cool und dabei jugendlich jungenhaft. Ich kenne nur wenige Männer, die im wirklichen Leben so sind aber mit diesen will ich auch meist nichts zu tun haben. In Gruppen südländischer Jugendlicher ist so ein Verhalten oft anzutreffen. Schön zu sehen das nicht nur bei den Transfrauen das Klischee gilt, das wir uns wie Abziehbilder unserer Wunschgeschlechter verhalten.

Mir ist allerdings aufgefallen, dass die Transmänner recht wenig Besuch bekamen. Und wenn doch, dann ausschliesslich weiblichen. Ich war dann mal so frei und hab die Schwester gefragt, wer so üblicherweise was für Besuch zu erwarten hat. Leider viel das Ergebnis ziemlich negativ für unsere (biologisch) männlichen Mittmenschen aus.

Bei Transfrauen, also den Patienten, bei denen eine Mann zu Frau Geschlechtsangleichen durchgeführt wird, kommen bei maximal 25% einen männlichen Partner mit.
Bei den Transmännern hingegen wurde noch nie ein männlicher Partner gesehen. Nicht einmal nahestehende Freunde.

Gut, kann man irgendwie auch verstehen. Transmänner haben sich vor der Operation sicherlich schon arg männlich verhalten und hatten daher vorzugsweise einen weiblichen Partner.
Oder einfach (inkorrekt) ausgedrückt: Welcher Kerl würde schon mit einer Frau zusammen bleiben wollen die zum Kerl wird.

Da haben es die Transfrauen ein klein wenig besser. Zwar bringen die wie erwähnt nur zu einem viertel einen männlichen Lebensgefährten mit, sicher aus einer latent schwulen Partnerschaft heraus, aber der Rest bringt einen weiblichen Partner mit. Bedenkt man, dass die Transfrau vorher als Mann gelebt hat und nach dem Wandel möglicherweise ihre Ehefrau mit in die Klink bringt ist das schon ein gewaltiger Schritt und große Liebe wenn die Partnerin da so gut mit klar kommt.

Ich bin heilfroh das ganze nicht allein stehen zu müssen. Meine Freundin, Verlobte, hat mich als Jeanette kennen gelernt und schwärmt mir immer noch vor, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Das kann ich zwar von meiner Seite her nicht behaupten aber wie schnell und woher die Liebe kommt ist doch egal. Hauptsache sie ist da, groß und stark genug auch für die schwereren Zeiten. Ich liebe dich mein Schatz.

2 Kommentare
  1. Christa
    Christa sagte:

    Deine Beobachtungen finde ich sehr aufschlußreich, Jeanette, prima beobachtet und überlegt, von der anderen seite mal zu überlegen; ich kenne auch einige transmänner, habe tatsächlich bis auf einen noch keine Begleitung gesehen.
    Liebe grüße
    Christa

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  2. Paul
    Paul sagte:

    Ja, es ist meist wirklich so wie ihr beide es beschrieben habt. Transmänner benehmen sich meist so, ich sag mal ,,übertrieben“ männlich, weil sie anders oftmals nicht als richtiger Mann, geschweigedenn überhaupt als Mann angesehen werden. Und da sprech ich leider aus eigener Erfahrung. Nichts desto trotz würde ich es niemals so übertreiben, wie Jeanette es in ihrem Krankenhausbericht beschrieben hatte. Aber in gewisser weise lässt es sich manchmal echt nicht vermeiden, wenn Mann nicht vermeiden will, dass alle anderen in Ihm noch immer Teile eines Mädchens erkennen, die leider Gottes nunmal zu einem weiblichen Körper dazugehören ( z.B.: Brust).

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