Fragen zur Reaktion in der Öffentlichkeit

Kürzlich wurde ich gefragt, wie ich mit Situationen klar komme, in denen ich mehr als der übliche Passant gemustert wurde und womöglich sogar den Spott von ein paar Jugentlichen auf mich gezogen habe. Letzteres passiert mir nicht mehr so häufig aber ein mal pro Jahr erwischt es mich dann doch. Hier nun mein Rat wie ich damit umgehe wenn ich schon aus der Distanz als merkwürdig wahrgenommen wurde und so das Getuschel und den Spott auf mich gezogen habe:

Wir Transfrauen geben uns alle Mühe weiblich gekleidet und geschminkt auf die Strasse zu gehen. Das setze ich jetzt einfach mal voraus. Dennoch haben wir Makel die wir nicht wegzaubern können. Körpergröße, Statur und Gangart sind untrügliche Merkmale dafür, das etwas nicht stimmt. Das reicht meist aus, dass Passanten genauer hingucken weil sie durch dieses ungewöhnliche Vorkommnis aufmerksam gemacht werden. Das passiert total unbewusst. Die Passanten „suchen“ nicht nach Merkwürdigkeiten an ihren Gegenübern sondern da schaltet das Gehirn unterschwellig auf „vorsicht“ wenn etwas nicht so ist wie es das gewohnt ist.

Wenn Frau nun etwas größer ist als üblich, die Schultern etwas markanter sind und die Gangart nicht von einem breiten Becken zeugt dann sind das schon drei Merkmale womit Frau die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Bei mir treffen zumindest die ersten beiden Punkte zu. Ich bin 1,89cm groß, lasse es mir aber meist nicht nehmen 4-7cm Absätze zu tragen. Dazu hab ich ein breites Kreuz. Das ich so auffalle ist ganz klar und bin ich zumindest was die Absätze angeht selber schuld. Aber wenn schon dann richtig 🙂

Was die Gangart angeht behelfe ich mir hier gerade mit den Absätzen. Absätze sorgen dafür dass du mehr Po-Spannung aufbaust und etwas mehr Schaukelst. Das kommt dem üblichen Hüftschwung einer Frau mit breitem Becken recht nah.

Woher ich das weiß? Ich bin quasi Laufsteg gelaufen und hab mich von guten Freunden beurteilen lassen und hab geübt 🙂

Also auch wenn du noch so weiblich gekleidet warst, von der Distanz ist die Silhouette doch als erstes zu sehen und wenn da auffällt dass die Schultern zu breit sind und du zwischen anderen Menschen etwas herausragst dann reichte das schon aus.

Was wir dagegen tun können?

Gar nichts. Rein gar nichts. Ich wünschte ich könnte da aushelfen aber Körpergröße lässt sich nicht verändern und ein breites Kreuz geht nur bedingt durch Hormone zurück (Muskelabbau). Das Einzige was hilft ist dazu zu stehen. stolz zu sein auf das was und wer du bist. Freude und Freundlichkeit ausstrahlen und damit glücklich sein so überhaupt leben zu können und zu dürfen. Ich meine in anderen Ländern ginge es uns wohl ziemlich dreckig.

Und eine positivie Ausstrahlung ist mehr wert als jeder Lippenstift 🙂

Ja ich erlebe es nahezu täglich das ich etwas genauer beäugt werde. Jung ob alt, Mann oder Frau. Aber eines weiß ich sicher. Wenn ich schlecht gelaunt war, duckmäuserisch mit krummem Rücken und einer miesen Fresse im Gesicht anzutreffen war, haben die Passenten deutlich negativer reagiert als wenn ich mit erhobenem Haupt, stolz und glücklich war. Was ich meine ist, auf jemanden der am Boden liegt lässt sich leichter treten als auf jemanden, der aufrecht steht.

Nimm dir das zu herzen. Auch wenn dein Tag nicht so dolle war, du eine schlechte Nachricht erhalten hast oder irgendetwas nicht so geklappt hat wie du es dir gewünscht hast. Zeige es niemandem! Du bist glücklich, du schaffst das. Alles andere und vor allem die Meinung anderer ist egal solange du dich wohl fühlst in dem was du tust und bist.

2 Kommentare
  1. Kim-Sophie
    Kim-Sophie sagte:

    Hallo Jeanette,

    ein guter Beitrag und das mit der positiven Ausstrahlung kann ich nur bestätigen! Allerdings mit der Gangart tue ich mich schwer. Ich habe kein besonders breites Becken und habe trotzdem eine weibliche Gangart. Da spielt nicht nur die Anatomie eine Rolle, sondern eben auch das Hirngeschlecht. Ich habe schon viel Frauen gesehen, welche ein extrem schmales Becken hatten, so dass sie auch nicht in der Lage waren, ein Kind auf normalem Weg auf die Welt zu bringen und trotzdem eine eindeutig weibliche Gangart hatten.
    Dass viele TS dazu nicht oder sehr schlecht in der Lage sind, liegt meiner Meinung daran, dass nicht wirklich alle, welche sich als Frau bezeichnen, auch wirklich sind. Manche leben halt tatsächlich ihr „Wunschgeschlecht“, was zB auf uns beiden nicht zutrifft, da wir mit Sicherheit Frauen sind und es kein Wunsch war 🙂

    Liebe Grüße
    Kim-Sophie :-*

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  2. Phoebe
    Phoebe sagte:

    Hi,
    eigentlich wollte ich ja nur die Einträge über den Brustaufbau lesen, aber der Beitrag ist so gut, daß ich dazu was sagen muß.
    Stimmt schon, außer einer positiven Ausstrahlung kann man gegen körperliche Nachteile wenig machen, aber das reicht auch sehr oft, um diese zu überspielen. Wenn man selbstbewußt ist und sich so gibt, wie man ist und dazu noch freundlich, dann hilft es die Zweifel anderer Menschen zu zerstreuen. Wer nett wirkt, wird weniger misstrauisch begutachtet und es wird weniger nach Fehlern gesucht.
    Ich werde manchmal auch genauer angeschaut und das, obwohl ich weder besonders groß bin, noch meine Figur vom Durchschnitt abweicht. Meine Schultern sind natürlich etwas breiter, aber das ist logisch, wenn man männliche Gene hat.
    Keine Ahnung, manche Menschen können halt männliche und weibliche Körpermerkmale besser unterscheiden als andere, die können dann natürlich auch zu dem Schluß kommen, sie eine Transsexuelle vor sich haben.
    Wenn das so ist, was soll man dann groß machen, außer zu sagen: „Ja, stimmt.“ und selbstbewußt dazu zu stehen.

    LG,
    Phoebe
    P.S.: Ich bin über Alinas Blog hier gelandet.

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