Outing im Job

Nun wird es ernst. Mit dem Outing im Beruf öffnet man sich nicht mehr nur den engsten Freunden und Verwandten sondern eben allen im eigenen Betrieb und dessen Kunden. Man offenbart sich und sein „Problem“ vor Menschen die völlig unerwartet reagieren können und werden. Darum ist es hier ganz besonders wichtig vorauszuplanen, abzuwägen und vor allem, ganz wichtig, hundertprozentig hinter der eigenen Sache zu stehen. Bröckelt das Selbstbild, wirkt man sofort unglaubhaft und man wandert in der Wahrnehmung der Menschen von „ein Mensch auf dem Weg zur Lösung seines Problems“ zu „Perverser, der nicht weiß was er will“. Das darf auf keinen Fall passieren.

Bei den Arbeitskollegen, die man auch privat gerne trifft fällt das Outing leichter. Diese Kollegen können dann vielleicht für einen selbst einschätzen, wie weitere Kollegen reagieren könnten. Bevor es aber zu viele wissen sollte die Geschäftsleitung oder zumindest die Abteilungsleiter informiert werden. Mit deren Hilfe kann dann eine unauffällige Besprechung einberufen werden, in der man sich vor allen Mitarbeitern erklärt.

Für dieses große Outing legt man sich am besten einen Spickzettel parat, damit man die wichtigsten Floskeln nicht vergisst. Auch hier sollte man weniger die negativ behafteten Fachbegriffe verwenden sondern eher in Bildern, von „geboren im falschen Körper“ sprechen. Das ist leichter zu verstehen und verhindert negative Assoziationen.

Hier mein Spickzettel vom 6. April 2010:

Der eine oder andere hat’s vielleicht schon mitbekommen dass sich bei mir sei Anfang des Jahres etwas verändert hat. Michael meinte ich klae den Frauen ihre Halstücher, anderen sind meine Ohrringe und Fingernägel aufgefallen. Jürgen meinte mal ich wirke wie ein schüchterner, verklemmter Junge der mit seinen Geistern noch nicht im reinen ist. Genau das ist das Thema ich habe schon immer gewusst das mit mir was nicht stimmt. Ich hab mich so wie ich bin nie wohl gefühlt. Erst mit 16 habe ich herausgefunden, was mein Problem ist. Die Konsequenzen daraus haben mich so erschreckt, dass ich die letzten 12 Jahre versucht habe es zu verdrängen. Damit ist aber jetzt schluss. Ich fühle mich im falschen Körper geboren. Ich denke für mich, dass ich weiblich empfinde und hab deshalb angefangen mich mehr meinen Gefühlen entsprechend zu geben und zu kleiden. Ich kann es einfach nicht mehr verdrängen. Um das Problem beim Namen zu nennen, ich bin transsexuell und in kürze ganze ich an weibliche Hormone zu nehmen um langsam zur Frau zu werden. Dass ist sicher nicht für Jeden leicht zu verstehen warum ich das für mich tun muss, aber ich hoffe ihr helft mir mich in die neue Rolle einzuffinden. Es werden euch also demnächst immer mehr Dinge an mir auffallen und damit es keine Gerüchte durch Unwissenheit gibt wollte ich euch heute einweihen. Ich werde immer mehr weiblich gekleidet im Büro auftauchen bis ich irgendwann komplett als Frau leben kann. Damit das Gesamtbild stimmt, habe ich für mich einen neuen weiblichen namen gewählt und fände es sehr nett wenn ihr mich dann mit „Jeanette“ ansprechen würdet. Mir ist klar dass das für euch eine ziemlich komische Situation sein muss und wenn ihr dazu Fragen habt dann wäre jetzt der Zeitpunkt dafür…
Nach diesem Monolog sollte mit nicht all zu vielen Reaktionen gerechnet werden, da die meisten Kollegen mit einer Mischung aus Überraschung, Verwunderung und Überforderung zu kämpfen haben.

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