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Zeiten ändern sich

Zeiten ändern sich, Wohnorte auch. Und manchmal geht eine Ära zu ende.

Nun, was so theatralisch klingt ist nur ein kurzer Zwischenruf. Nach 3 Jahren in der Schweiz hab ich das Projekt beendet, meine Zelte abgebrochen und bin wieder zurück an den Rand des Stuttgarter Kessels gezogen. Geld und angenehmes Klima sind einfach nicht alles.

Ich bin in der Schweiz nie angekommen und nach dem Ende der Beziehung zu Oli habe ich auch keinen erweiterten Freundeskreis aufbauen können. Überhaupt haben sich die meisten Schweizer mir gegenüber, oder allen Deutschen gegenüber, sehr abweisend verhalten. Aber kein Schweizer war je so schlimm wie die emigrierten, neureichen Deutschen in der Schweiz, die es geschafft haben. Aber ein Umzug in ein fremdes Land ist auch einfacher wenn man als Familie funktioniert und sich gegenseitig Halt geben kann als wenn man single und ohne jemanden zu kennen in die Fremde geh.

Nachdem ich einige Monate wieder mit Selbstmordgedanken gekämpft hatte, hab ich mich entschieden zurück zu kehren.

Mein Umzug war bereits im Oktober 2017 und seit her gehts mir deutlich besser. Der soziale Anschluss funktioniert wieder. Ich hab einen wirklich großartigen Arbeitgeber gefunden und komme auch sonst recht gut zurecht.

Außerdem habe ich ein neues Hobby für mich entdeckt. Cosplay. Da ich ein Faible für Uniformen aus SciFi Serien habe, lebe ich diese Hobby inzwischen recht aktiv aus. Dieses Jahr war ich bereits auf 3 Conventions und 4 weitere sollen noch folgen. Der Spass, die tollen Menschen und die Wärme, die mir dort entgegen gebracht wird, sind einfach unbeschreiblich.

Außerdem kann ich es mit meinem Hobby, dinge zu bemalen gut kombinieren, in dem ich die passenden Gegenstände, die zum Outfit gehören, selber machen kann.

Zm Thema Trans ist seit langem alles gleichbleibend. Ich fühle mich mal mehr, mal weniger Unwohl in der Kleidung, die mir seltenst gut passt und steht. Brauche wohl mal wieder ne Typberatung.

Neustart auf Abwegen

Neustart auf Abwegen, oder sollte ich vielleicht sagen „neben den Wegen“?

Aber von Anfang an. Mein letzter Beitrag beschrieb meine erste Zeit in der Schweiz. Nun sind weitere vier Wochen vergangen. 2015-01-31 14.16.44Ich hab meinen Schnapszahl-Geburtstag mit Freunden in Stuttgart gefeiert, hab einen Tag in der Saunalandschaft Schwabenquellen verbracht bevor es zurück in die Schweiz ging. Hier hatte es zwischenzeitlich wieder mehr geschneit. Nichts ungewöhnliches. Tagsüber taut es und abends fällt die Temperatur aber die Strassen waren halbwegs schneefrei. Auf halber Strecke vom Büro nach hause kam wieder eine Passage, in der ich den Smart in die Spurrillen anderer Verkehrsteilnehmer einsetzen musste. Nicht ganz so einfach wenn man bedenkt was hier sonst an Autos rum fährt und weiß dass der Smart nicht nur kurz sondern auch schmal ist.

Es kam wie es kommen musste. Ich geriet irgendwie in den Schnee, der Wagen brach nach links aus. Ich versuchte ihn abzufangen aber das war aussichtslos. Er drehte sich nach rechts, dann schlagartig einmal um sich selbst bevor ich halb rückwärts mit 60 Sachen ins Feld rutschte.

Ich kam mit dem Schrecken davon. Mir persönlich ist nichts passiert. Tage später bemerkte ich komische Geräusche am Smart und musste eine verbogene Felge und die Radnabe tauschen lassen. Bin wohl doch heftiger angestoßen als ich dachte. An der hinteren Felge sieht man noch das Gras und kleine Ästchen, die zwischen Felge und dem Reifengummi stecken. Keine Chance die zu entfernen, so eingequetscht sind die.

Beim Unfall selbst muss ich mich aber wohl doch mehr verspannt haben und vor allem meine Zähne aufeinander gepresst haben, als mir bewusst war. Ich musste eine Woche aussetzen, da die Kieferschmerzen nicht zu ertragen waren und nur ausgiebiges Konsumieren von Schmerzmittel konnte noch helfen.

Der Unfall, ich kann es nicht leugnen, hat seine Spuren hinterlassen. Jedes Mal wenn ich daran denke bekomme ich feuchte Augen, auch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe.

Ich hatte sowieso vor mir ein „richtiges“ Auto zu kaufen, aber hier machten mir die Schweizer einen Strich durch die Rechnung. Ich bekomme keinen Kredit, nichtmal einen Leasingvertrag solang ich nicht mindestens ein Jahr in der Schweiz lebe. Aber die Bank hat mir ungefragt direkt zwei Kreditkarten ausgehändigt. Mit dem Überziehungsrahmen und der Hilfe meiner Mom konnte mein Bruder, ein Freund und ich auf die Suche nach etwas Wetterfestem gehen.

Die Rahmenbedingungen wurde neu gesteckt. Ein Fahrzeug das im Schnee klar kommt und mit der Berg und Talfahrt auch. Eins das mich bei Glatteis nicht im Stich lässt. Ein Fahrzeug, dass auch mit der Unfähigkeit anderer Autofahrer klar kommt. Also suchten wir.

Sowas zeiht sich immer hin. Man sucht Autos raus und wenn man was passendes findet stellt man fest, dass er schon verkauft ist. Dann schaut man sich das Fahrzeug an und stellt fest das die Hälfte der Infos falsch war etc.

2015-02-14 10.06.08 HDRAber wir wurden dann doch fündig. Seit gestern bin ich stolze Besitzerin eines Ford Maverick. Das ist ein Geländewagen mit Kuhfänger vorne und Verstärkung an den Seiten. Selbst wenn mir da einer rein rutscht sollte ich nicht mehr ernstlich verletzt werden. Hoffe ich.

Es ist aber auch eine krasse Umstellung nötig. Vorher konnte ich mit dem Smart praktisch überall durch wenn das Lenkrad durch kam *G*. Beim Mav muss ich aufpassen in der Mitte der Spur zu bleiben, da er so breit ist dass ich sonst Strassenschilder oder gar Fußgänger mit nehme. Man merkt, ich bin nicht oft wirklich große, breite Fahrzeuge gefahren.

Wo bleibt das Trans-Thema? Keine Ahnung. Ich lebe einfach. Beim Autokauf des Ford hatte ich es mir recht jungen Leuten zu tun. Aber auch hier oder gerade weil sie so jung waren gab es keine Spitzen, keine Ablehnung, nichts. Ich kam da hin als Frau, hab mir den Wagen angesehen. zwei Tage später gemeinsam zum TÜV zum Gebrauchtwagencheck machen und 4 Tage später holte ich den Wagen ab. Haben uns in der zeit prima verstanden. Entweder hat er es wirklich nicht gemerkt was ich mir nicht vorstellen kann, oder es war einfach kein Problem.

Ganz nebenbei habe ich auch einen Mann kennen gelernt, mit dem ab und zu was läuft. Nichts festes aber zum gemeinsam spass haben und einsame Stunden zu verringern genau das was ich gerade brauche. Jemand der mich in den Arm genommen hat, als ich vom Unfall erzählend wieder einmal feuchte Augen bekommen habe.

Es geht also schon. Nur nicht aufgeben und auf keinen Fall sich einigeln. Niemand wird an deine Tür klopfen wenn du nicht vorher eine breite Strasse zu deinem Haus gebaut hast… bildlich gesprochen.

 

Neustart

Aller Anfang ist schwer. Ein Neustart um so mehr.

Nun, nach vier Wochen im fremden Land und drei Wochen im neuen Beruf finde ich endlich die Ruhe über diese Veränderung zu schreiben.

Ein neuer Job hat mich nun in die Schweiz verschlagen. Meine fast vier Jahre andauernde Beziehung ist an andauernden Reibereien und zuletzt an der Aussicht auswandern zu müssen zerbrochen. Daher bin ich alleine knapp hinter die Grenze, etwas unterhalb von Konstanz gezogen.

Dieser Umzug brachte so einige Probleme mit sich. Da die Schweiz weder EU ist noch den Euro als Währung führt, war schon mal die Umgewöhnung an den Schweizer Franken ein wichtiger Schritt. Aber bei leibe nicht der erste und wird auch nicht der letzte sein.

Ich hatte die Wahl, entweder auf deutscher Seite wohnen zu bleiben und in der Schweiz zu arbeiten oder gleich ganz rüber zu gehen. Also hatte ich die Wahl entweder in Deutschland rund 30% Steuern zu zahlen oder die Ersparnis an Steuern in der Schweiz in die Miete zu stecken. Wobei die Wohnungen in und um Konstanz auch nicht gerade günstig gewesen wären. Ich habe mich für letzteres entschieden und fand recht schnell eine geeignete Wohnung in einem Neubau. Erstbezug, mir Fußbodenheizung, zwei Balkonen und auch sonst einer üppigen Ausstattung.

Dann begann der Papierkrieg.

Ich versuchte eine neue Krankenkasse zu finden, ein neues Bankkonto zu eröffnen und meine Altersvorsorge zu klären. Ich scheiterte nach einigem Hin und her an der Hürde, dass erst nach der Erlaubnis im Land zu sein diese Punkte geklärt werden können. Dankenswerter weiße konnte ich in die Wohnung auch ohne den Ausländerausweis einziehen. Diesen und die damit einher gehende Erlaubnis im Land zu sein und zu arbeiten bekam ich erst anfang Januar.

Aber wenigstens funktionierte das mit dem Internetanschluss problemlos. Ich bestellt den Techniker für den 30. Dezember, einen Tag nach meinem Umzug. An diesem Dienstag klingelte um kurz vor 10 Uhr der Postbote und drückte mir eine große Kiste in die Hand. Diese enthielt die übliche Technik, welche ich direkt anschloss. Und so einfach wie es klingt war es dann auch. Stecker rein, Rechner an, Internet war da. Daran sollten sich deutsche Dienstleister mal orientieren.

Inzwischen hab ich mein Bankkonto, aber die Krankenkasse stellte sich als Problem heraus. Durch meinen Transsexuellen Hintergrund und die bereits erfolgten Operationen bin ich für die ein rotes Tuch und bekomme nur das absolute Minimum an Versorgung. Anderen Personen würden sie ermöglichen den Arzt sogar im Ausland frei zu wählen, Zuzahlungen für Brille oder Zahnersatz leisten oder sogar das Abo fürs Schwimmbad bezahlen. Mir hingegen wird nur geholfen wenn ich wirklich krank werde. Einzelbett im Krankenhaus? Ade! Keine Chance. Nichtmal durch Zusatzversicherungen da diese sich weigern mit mir einen Vertrag einzugehen. Wie ich jetzt zur Nachsorge zu Liedl kommen soll ist mir nicht klar. Es läuft wohl darauf hinaus, dass ich es selbst aus eigener Tasche zahlen muss. Immerhin kostet die Krankenkasse hier in der Schweiz nicht annähernd so viel wie üblicherweise in Deutschland. Der Minimale Satz sind hier etwa 150 CHF was dank dem schwachen Euro gerade fast 150€ entspricht. Mit meinem letzten Gehalt habe ich rund 500€ bezahlt. Aber noch hat sich keine Kasse meiner erbarmt, so dass hier das letzte Wort noch nicht geschrieben ist.

Allgemein gesprochen finde ich es hier in der Schweiz alles etwas merkwürdig.

Ich fahre mit dem Auto jeden Tag 37km zur Arbeit. Landstrasse. In Deutschland eine Sache von 20 Minuten. Hier brauche ich für diese Strecke zwischen 35 und 45 Minuten, je nach dem ob es bergauf oder bergab geht. Mein neues Büro ist bei St. Gallen, was zu meiner Wohnung einen Höhenunterschied von knapp 300 Meter ergibt. Mein Smart kämpft sich also jeden Tag die 300 Meter hoch und abends gehts wieder runter Richtung Bodensee.

Privat gehts mir gemischt. Ich vermisse meine Heimat Stuttgart, meine Freunde und auch meine ehemalige Partnerin. Aber es hilft alles nichts, ich werde ne Weile hier unten bleiben und muss mir etwas Neues aufbauen.

Bei Facebook gibt es inzwischen diverse Gruppen nach dem Schema „Neu in [Stadtname]“. In der Konstanzer Gruppe hab ich mich dann auch angemeldet und schnell kurzfristig Anschluss gefunden. Viele nette Leute von jung bis alt mit denen ich dann auch gleich mehrfach unterwegs war.

Die Schweiz ist keine Euro Zone. Seit der Einführung des Euros hatte ich nicht mehr mit fremden Währungen zu tun. Nun häufen sich die kleinen merklich dünneren Silberheller in meinem Portmonee und die bunten Scheine setzen sich von den Euros ab. Ich komme wohl nicht um hin mir einen zweiten Geldbeutel zuzulegen, in dem ich das schweizer Geld separat aufbewahre.

Aber es ist nicht nur das Geld. Eigentlich ist alles anders.

Das Schlimmste ist allerdings, das die hier schweizer Deutsch sprechen. Eine Sprache die nur marginal etwas mit deutsch zu tun hat. Es ist eher mit sächsisch oder bayerisch zu vergleichen. Da ich nicht mehr so gut höre fällt es mir so doppelt schwer die Kollegen am Mittagstisch zu verstehen. Ich muss die vielen verniedlichten Vokabeln erst lernen. Derzeit hat es aber den negativen Effekt, dass ich mich mehr denn je ausgeschlossen fühle. Ich kann noch so gut gelaunt und enthusiastisch weltoffen sein, wenn ich sie nicht verstehe dann bringt mir das alles nix.

Stille

Bei mir gab es in den letzten Wochen einige größere Veränderungen, so dass ich wenig Zeit hatte, mich um diese Seite zu kümmern.

Ich werde ab Januar 2015 einen neuen Job anfangen und dazu zieht es mich in die Schweiz.

Das bedeutet für mich eine neue Wohnung zu finden und mich mit der ganzen Bürokratie auseinander zu setzen, die nötig ist, wenn man auswandert. Arbeitserlaubnis und Aufenthaltserlaubnis in der Schweiz, neue Ärzte, neue Krankenkasse, neue Versicherungen und und und.

Ich bin also gut beschäftigt.

Wenn ich wieder was neues Beizutragen habe, zum Beispiel Fotoepilation in der Schweiz zu beantragen, dann werde ich wie gewohnt hier berichten. Bis dahin drückt mir die Daumen dass alles weitere halbwegs reibungslos klapp. Den Job hab ich schonmal sicher.